Was ist ein Exzerpt? Anleitung & Tipps für bessere Noten

Ein Exzerpt ist so viel mehr als nur eine simple Zusammenfassung. Im Kern ist es eine verkürzte und strukturierte Wiedergabe der wichtigsten Informationen eines Textes – und zwar in Ihren eigenen Worten. Sehen Sie es als aktives Werkzeug, das Ihnen hilft, das Wesentliche einer Quelle gezielt für Ihre eigene Forschungsfrage herauszufiltern und wirklich zu verstehen.
Ein Exzerpt ist mehr als nur eine Zusammenfassung

Viele Studierende machen den Fehler und verwechseln das Exzerpieren mit dem Anfertigen einfacher Notizen oder einer reinen Inhaltsangabe. Aber genau hier liegt der entscheidende Unterschied, sowohl im Detail als auch im Zweck. Ein Exzerpt ist keine passive Wiedergabe, sondern eine aktive, intellektuelle Auseinandersetzung mit einem Text.
Stellen Sie es sich wie den gezielten Einkauf eines Kochs vor. Statt den gesamten Supermarkt wahllos in den Wagen zu laden (also einfach alle Informationen eines Buches abzuschreiben), wählt er präzise die Zutaten aus, die er für sein spezifisches Rezept – in Ihrem Fall Ihre Forschungsfrage – benötigt. Alles andere bleibt im Regal.
Das Kernkonzept des Exzerpierens
Diese Methode zwingt Sie regelrecht dazu, das Gelesene nicht nur zu konsumieren, sondern es aktiv zu verarbeiten. Sie filtern die Kernaussagen heraus, analysieren die Argumentationsstruktur und halten Ihre eigenen Gedanken dazu fest. Dadurch wird das Exzerpt zu einem ganz persönlichen Wissensspeicher, der exakt auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.
Die Praxis des Exzerpierens ist übrigens keine moderne Erfindung. Sie hat eine lange Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht, als Gelehrte umfangreiche Handschriften durcharbeiteten, um Wissen zu sichern und zu ordnen. Seit dem 16. Jahrhundert ist sie eine etablierte Standardtechnik im wissenschaftlichen Arbeiten in Deutschland, ganz besonders in den Geisteswissenschaften. Wer tiefer in die historische Entwicklung des Exzerpts eintauchen möchte, findet bei Wikipedia einen guten Überblick.
Ein gutes Exzerpt beantwortet nicht die Frage „Was steht im Text?“, sondern „Was im Text ist für mich und meine Forschungsfrage wichtig?“.
Warum diese Methode unverzichtbar ist
Ein Exzerpt zu verfassen ist ein absolut entscheidender Schritt für jeden, der erfolgreich wissenschaftlich arbeiten möchte. Es hilft Ihnen nicht nur dabei, Texte wirklich zu durchdringen, sondern schafft auch eine grundsolide Basis für alles, was danach kommt.
Diese Technik ist besonders wertvoll, denn sie:
- Vertieft das Textverständnis: Sie müssen den Inhalt in eigenen Worten formulieren. Das erfordert ein viel tieferes Verständnis als passives Lesen jemals könnte.
- Macht Wissen gezielt nutzbar: Sie sammeln ausschließlich relevante Informationen, die Sie direkt für Prüfungen oder Ihre Abschlussarbeit verwenden können. Kein Ballast, nur das Wesentliche.
- Vermeidet Plagiate von vornherein: Durch die saubere Trennung von fremden Gedanken, direkten Zitaten und Ihren eigenen Kommentaren schaffen Sie eine blitzsaubere Arbeitsgrundlage.
Indem Sie lernen, wie Sie ein gutes Exzerpt erstellen, schärfen Sie Ihre Fähigkeit, effektiv wissenschaftlich zu schreiben, und legen damit den Grundstein für Ihren akademischen Erfolg.
Warum exzerpieren Ihr Studium leichter macht
Viele sehen im Exzerpieren erstmal nur eins: zusätzliche Arbeit. Ein weiterer Punkt auf der ohnehin schon langen To-do-Liste. Doch das ist ein Trugschluss. In Wahrheit ist es eine der schlausten Investitionen in Ihr Studium – eine, die Ihnen nicht nur bessere Noten, sondern am Ende sogar mehr Freizeit verschafft. Es ist Ihr Werkzeug, um die Informationsflut zu meistern, statt von ihr begraben zu werden.
Statt einen Text nur zu überfliegen und hier und da etwas anzustreichen, zwingt Sie das Exzerpieren, sich wirklich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen. Sie müssen die Argumente des Autors knacken, sie mit eigenen Worten neu zusammensetzen und kritisch hinterfragen. Genau dieser Prozess macht den Unterschied: Aus passiv konsumiertem Wissen wird aktiv verstandenes und abrufbares Know-how.
Denken Sie tiefer, nicht nur mehr
Indem Sie die Kernideen eines Textes in Ihre eigenen Worte fassen, findet ein kleiner mentaler „Übersetzungsprozess“ statt. Und genau der ist der Schlüssel zu nachhaltigem Lernen. Plötzlich erkennen Sie, was die eigentliche Hauptaussage ist und was nur schmückendes Beiwerk. Sie durchschauen die Struktur und Logik hinter den Argumenten.
Das ist keine bloße Theorie, sondern hat messbare Auswirkungen. Statistische Auswertungen zeigen, dass Studierende, die systematisch exzerpieren, in schriftlichen Prüfungen und Hausarbeiten im Schnitt 15–20 % besser abschneiden. Es ist also kein Zufall, dass rund 60 % der Lehrpläne in Fächern wie Geschichte oder Sozialwissenschaften genau diese Technik explizit lehren. Wer mehr dazu wissen will, findet spannende Erkenntnisse zur Bildung in Deutschland bei Statista.
Ihre Geheimwaffe für Prüfungen und Hausarbeiten
Stellen Sie sich vor, die Prüfungsphase rückt näher oder der Abgabetermin für die Hausarbeit steht vor der Tür. Was jetzt? Panisch ganze Bücher und Stapel von Artikeln erneut durchwühlen? Oder ganz entspannt auf Ihr persönliches Wissensarchiv zugreifen? Ein gut geführtes Exzerpt-Archiv ist eine wahre Goldgrube.
- Das Wesentliche auf einen Blick: Sie finden sofort die Thesen, Argumente und Zitate, die Sie für Ihr Thema brauchen. Kein langes Suchen mehr.
- Der rote Faden für Ihre Arbeit: Ihre Exzerpte liefern quasi die Bausteine für Ihre Gliederung. Sie können Argumentationsketten mühelos nachbauen und in Ihren eigenen Text einfügen.
- Schutz vor Plagiaten: Weil Sie von Anfang an sauber zwischen wörtlichen Zitaten, sinngemäßen Wiedergaben und Ihren eigenen Gedanken unterscheiden, laufen Sie gar nicht erst Gefahr, versehentlich zu plagiieren.
Ein Exzerpt ist mehr als eine Notiz. Es ist der erste Entwurf Ihrer eigenen Argumentation. Es ist der Rohstoff, aus dem starke wissenschaftliche Arbeiten gemacht sind.
Wer sich diese Methode zu eigen macht, optimiert seinen gesamten Lernprozess. Sie reduzieren den Stress vor Deadlines, schärfen Ihr kritisches Denkvermögen und bauen eine Wissensbasis auf, die weit über die nächste Klausur hinaus Bestand hat.
So gelingt der Aufbau eines perfekten Exzerpts – Schritt für Schritt
Ein richtig gutes Exzerpt entsteht nicht einfach so. Es folgt einer klaren, bewährten Struktur, die – einmal verinnerlicht – später unzählige Stunden bei der Suche nach Informationen und beim Schreiben der eigentlichen Arbeit spart. Man kann sich diesen Aufbau wie eine Art Gerüst vorstellen, das dafür sorgt, dass alle wichtigen Informationen an ihrem Platz sind und fremde Gedanken sauber von den eigenen getrennt bleiben.
Jeder Baustein erfüllt dabei eine ganz bestimmte Funktion: von der exakten Erfassung der Quelle bis hin zur kritischen Reflexion des Gelesenen.
Die unverzichtbare Grundlage: Die bibliografischen Angaben
Jedes Exzerpt beginnt ausnahmslos mit der vollständigen Quellenangabe. Das mag auf den ersten Blick wie eine lästige Pflicht wirken, ist aber der absolut wichtigste Schritt von allen. Ohne eine saubere und lückenlose Angabe ist das ganze Exzerpt wertlos, denn die Informationen lassen sich später nicht mehr zuordnen oder korrekt zitieren.
Notieren Sie also sofort alle relevanten Details. Je nach Quellentyp gehören dazu:
- Autor(en): Vor- und Nachnamen aller Verfasser.
- Titel: Der exakte Titel des Buchs, Artikels oder Aufsatzes.
- Erscheinungsjahr: Das Jahr der Veröffentlichung.
- Verlag und Ort: Bei Büchern sind diese Angaben entscheidend.
- Seitenzahlen: Bei Artikeln in Sammelbänden oder Zeitschriften ist die genaue Seitenzahl unverzichtbar.
Diese Angaben sind nicht nur für das spätere Literaturverzeichnis Gold wert. Sie erlauben es auch, jederzeit schnell zur Originalquelle zurückzukehren, um einen Gedanken im Kontext nachzulesen. Wer hier von Anfang an gründlich ist, dem wird das richtige Anfertigen von Quellenangaben in der finalen Arbeit viel leichter fallen.
Die folgende Grafik zeigt diesen logischen Ablauf noch einmal ganz einfach.

Man sieht sofort: Die klare Trennung der einzelnen Elemente ist der Schlüssel zu einem Exzerpt, das wirklich funktioniert.
Das Herzstück: Kernaussagen und direkte Zitate
Steht die Quelle, geht es an den Inhalt. Hier fassen Sie die Argumente, Thesen und Informationen zusammen, die für Ihre eigene Forschungsfrage wichtig sind. Das Wichtigste dabei: Formulieren Sie die Gedanken des Autors in Ihren eigenen Worten. Das zwingt Sie, den Inhalt wirklich zu durchdringen, anstatt ihn nur abzuschreiben.
Für besonders treffende oder wichtige Formulierungen, die Sie vielleicht später übernehmen wollen, greifen Sie zu direkten Zitaten.
Ein direktes Zitat muss buchstaben- und zeichengetreu aus dem Originaltext übernommen werden. Setzen Sie es immer in Anführungszeichen und notieren Sie die exakte Seitenzahl direkt dahinter.
Diese strikte Trennung zwischen der Paraphrase (also der sinngemäßen Wiedergabe) und dem direkten Zitat ist ein Grundpfeiler des wissenschaftlichen Arbeitens. Er schützt Sie ganz einfach und effektiv vor Plagiatsvorwürfen.
Der entscheidende Mehrwert: Eigene Kommentare und Reflexionen
Der letzte und vielleicht wertvollste Teil Ihres Exzerpts ist der Bereich für Ihre eigenen Gedanken. Hier findet die eigentliche, aktive Auseinandersetzung mit dem Gelesenen statt. Machen Sie diesen Bereich unbedingt kenntlich, zum Beispiel durch eine andere Schriftfarbe, eine Einrückung oder eine simple Überschrift wie „Meine Gedanken dazu“.
Hier hat alles Platz, was Ihnen beim Lesen durch den Kopf geht:
- Fragen: Welche Aspekte bleiben unklar oder werfen neue Fragen auf?
- Kritik: Wo stimmen Sie dem Autor nicht zu? Gibt es Widersprüche?
- Verknüpfungen: Passt diese These zu einer anderen Quelle, die Sie gelesen haben? Ergänzt oder widerspricht sie ihr?
- Relevanz: Wie genau hilft Ihnen diese Information für Ihre Arbeit weiter?
Diese Reflexionen sind der wahre Schatz Ihrer Exzerpte. Sie bilden die Grundlage für Ihre spätere Argumentation und beweisen, dass Sie einen Text nicht nur zusammenfassen, sondern ihn auch kritisch bewerten und in Ihr eigenes Wissen einordnen können.
Hier ist eine Übersicht, die die Struktur noch einmal zusammenfasst und den Zweck jedes Elements verdeutlicht.
Struktur eines wissenschaftlichen Exzerpts
Diese Tabelle zeigt die wesentlichen Bestandteile eines Exzerpts und erklärt den Zweck jedes Elements.
| Bestandteil | Beschreibung und Zweck |
|---|---|
| Bibliografische Angaben | Vollständige Daten der Quelle (Autor, Titel, Jahr etc.). Sichert die Nachvollziehbarkeit und korrekte Zitation. Ohne das ist alles wertlos. |
| Kernaussagen (Paraphrasen) | Die zentralen Argumente und Thesen des Textes in eigenen Worten zusammengefasst. Dient dem tiefen Verständnis und der schnellen Wiederholung. |
| Direkte Zitate | Wortwörtlich übernommene Passagen mit exakter Seitenangabe. Sichert wichtige Formulierungen für die spätere Verwendung in der eigenen Arbeit. |
| Eigene Kommentare | Persönliche Gedanken, Fragen, Kritik und Verknüpfungen zum Text. Hier entsteht der eigentliche Mehrwert für die eigene Argumentation. |
Wie Sie sehen, hat jeder Teil seine feste Rolle. Wenn Sie diese Struktur konsequent anwenden, bauen Sie sich nach und nach eine unglaublich wertvolle Wissensdatenbank für Ihre wissenschaftliche Arbeit auf.
Finden Sie Ihre perfekte Methode zum Exzerpieren
Gleich vorweg: Die eine, perfekte Methode zum Exzerpieren gibt es nicht. Viel wichtiger ist, dass Sie einen Weg finden, der zu Ihnen, Ihrem Arbeitsstil und den Anforderungen Ihres Fachgebiets passt. Die erste große Weiche, die Sie stellen müssen, ist die Wahl zwischen dem klassischen analogen und dem modernen digitalen Ansatz.
Beide Wege haben absolut ihre Berechtigung und ganz eigene Stärken. Die traditionelle Methode mit Stift und Papier ist keinesfalls aus der Mode gekommen. Ganz im Gegenteil: Das handschriftliche Notieren kann das Lernen sogar intensivieren, weil es mehr Hirnareale anspricht und die Informationen dadurch tiefer im Gedächtnis verankert werden.
Digitale Tools hingegen glänzen mit Effizienz, perfekter Organisation und nahtloser Vernetzung. Sie machen die Verwaltung riesiger Literaturmengen zum Kinderspiel und erleichtern später die Übernahme Ihrer Notizen in die eigentliche wissenschaftliche Arbeit.
Der klassische Weg: Stift und Papier
Für viele Studierende ist die Arbeit mit Karteikarten oder einem speziellen Notizbuch immer noch der Goldstandard. Der größte Reiz liegt hier in der Haptik, dem Greifbaren, und der bewussten Entschleunigung des ganzen Prozesses.
- Tiefere Verarbeitung: Wer mit der Hand schreibt, denkt beim Formulieren mehr mit und fasst sich automatisch prägnanter. Das fördert das Textverständnis ungemein und nachhaltig.
- Flexibilität: Karteikarten sind genial. Man kann sie immer wieder neu sortieren, nach Themen gruppieren oder ganze Argumentationsketten damit auf dem Schreibtisch auslegen. So „bauen“ Sie Ihre Gliederung physisch zusammen.
- Fokus: Keine aufploppenden Benachrichtigungen, keine Verlockung durch den Browser – ohne digitale Ablenkungen fällt es einfach leichter, sich voll und ganz auf den Text zu konzentrieren.
Dieser Ansatz ist besonders gut für visuelle und haptische Lerntypen geeignet, die durch das physische Ordnen und Gestalten ihrer Notizen den besten Überblick bekommen.
Die digitale Alternative: Smarte Tools und Software
Natürlich leben wir in einer digitalen Welt, und da sind Softwarelösungen wie Citavi, Zotero oder auch flexible Notiz-Apps wie OneNote und Notion kaum noch wegzudenken. Sie nehmen die klassische Idee des Exzerpierens und reichern sie mit cleveren Funktionen zur Verwaltung an.
Tatsächlich ist das Exzerpieren im akademischen Alltag fest verankert. Eine Hochschulumfrage ergab, dass über 80 % der Studierenden regelmäßig exzerpieren, wobei digitale Helfer eine immer größere Rolle spielen. Mehr zu dieser Entwicklung im wissenschaftlichen Arbeiten können Sie hier nachlesen.
Der entscheidende Vorteil digitaler Methoden liegt klar in der Automatisierung und Organisation.
Digitale Exzerpte sind durchsuchbar, lassen sich kinderleicht sichern und mühelos mit anderen teilen. Bibliografische Daten werden oft automatisch aus Datenbanken gezogen – das spart nicht nur enorm viel Zeit, sondern minimiert auch Flüchtigkeitsfehler.
Moderne Programme können sogar noch mehr. Sie erlauben es, PDFs direkt zu kommentieren, Zitate per Mausklick zu extrahieren und diese dann automatisch korrekt formatiert ins Literaturverzeichnis Ihrer Arbeit einzufügen. Intelligente Werkzeuge beschleunigen sogar die Recherche selbst, wie Sie in unserem Beitrag über den Einsatz von KI für die Literaturrecherche als Game Changer erfahren können.
Vergleich der Exzerpt-Methoden
Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, haben wir die Vor- und Nachteile der beiden Welten in einer Tabelle gegenübergestellt.
| Methode | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Analog (Stift & Papier) | - Fördert tiefes Verständnis durch handschriftliches Notieren - Hohe Flexibilität beim Sortieren (z. B. Karteikarten) - Keine digitalen Ablenkungen, fördert den Fokus |
- Aufwendiger bei großen Textmengen - Schwieriger zu durchsuchen und zu sichern - Physische Lagerung und Transport nötig |
| Digital (Software & Apps) | - Effiziente Verwaltung und Organisation - Volltextsuche, einfache Sicherung & Teilbarkeit - Automatischer Import von Literaturdaten - Direkte Integration in den Schreibprozess |
- Höheres Risiko der Ablenkung durch das Gerät - Geringere haptische Verbindung zum Lernstoff - Abhängigkeit von Software und Technik |
Am Ende gibt es kein Richtig oder Falsch. Die beste Methode ist oft eine clevere Kombination aus beiden Welten. Probieren Sie einfach aus, was für Sie am besten funktioniert: Vielleicht lesen Sie Texte digital am Bildschirm, exzerpieren aber die wichtigsten Gedanken ganz bewusst von Hand, um sie besser zu verinnerlichen.
Typische Fehler beim Exzerpieren und wie Sie sie vermeiden

Wer mit dem Exzerpieren anfängt, tappt unweigerlich in die eine oder andere Falle. Das ist völlig normal und gehört zum Lernprozess. Aber es gibt da ein paar Klassiker, die man kennen sollte. Wenn Sie diese typischen Stolpersteine von Anfang an umgehen, sparen Sie sich eine Menge Zeit und vor allem Frust. Effizient zu arbeiten heißt eben auch, die häufigsten Fehler zu kennen und sie bewusst zu vermeiden.
Eines der größten Probleme, fast schon ein Reflex, ist das unbewusste Abschreiben. Man ist tief im Text versunken, die Sätze des Autors klingen einfach brillant, und ehe man sich versieht, hat man ganze Passagen fast wörtlich übernommen. Das passiert selten mit böser Absicht, kann aber später fatale Konsequenzen haben und im schlimmsten Fall sogar zu Plagiatsvorwürfen führen.
Zu viel des Guten kopieren
Sinn und Zweck eines Exzerpts ist es ja, Wissen zu verdauen und mit eigenen Worten wiederzugeben – nicht, Textbausteine zu sammeln. Pures Abschreiben verhindert nicht nur, dass Sie den Inhalt wirklich durchdringen, es bläht Ihr Exzerpt auch unnötig auf.
Dagegen hilft ein simpler, aber extrem wirkungsvoller Trick: Lesen Sie einen Abschnitt, klappen Sie dann das Buch zu oder minimieren Sie das Fenster. Nun versuchen Sie, die Kernaussage aus dem Gedächtnis zu formulieren. Das zwingt Ihr Gehirn, den Inhalt wirklich verarbeitet zu haben und eine eigene Sprache dafür zu finden.
Unvollständige Quellenangaben machen
Ein weiterer Kardinalfehler, der die ganze Arbeit zunichtemachen kann, sind lückenhafte oder schlampige Quellenangaben. Ein Exzerpt ohne präzise Quelle ist im Grunde wertlos. Stellen Sie sich vor, Sie stoßen Wochen später auf eine geniale These in Ihren Notizen, haben aber keine Ahnung mehr, woher sie stammt. Die ganze Mühe war umsonst.
Ein Exzerpt ist nur so gut wie seine Quellenangabe. Fehlt bei einem direkten Zitat die Seitenzahl, ist es für eine wissenschaftliche Arbeit unbrauchbar.
Machen Sie es sich daher zur eisernen Regel: Immer zuerst die vollständige Quelle notieren, bevor Sie auch nur ein Wort zum Inhalt schreiben. Dazu gehören Autor, Titel, Erscheinungsjahr, Verlag und – ganz wichtig – bei Zitaten die exakte Seitenzahl.
Eigene und fremde Gedanken vermischen
Der dritte große Fehler ist, die Gedanken des Autors und die eigenen Reflexionen nicht sauber zu trennen. Steht beides einfach so nebeneinander, werden Sie sich später garantiert fragen: „War dieser kritische Einwand jetzt von mir oder stand das so im Text?“
Diese Vermischung ist brandgefährlich, weil sie die Tür für unbeabsichtigte Plagiate sperrangelweit aufstößt.
Zum Glück lässt sich das mit einfachen Mitteln verhindern:
- Farbliche Markierungen: Schreiben Sie Ihre eigenen Kommentare in einer anderen Farbe, zum Beispiel in Blau oder Grün.
- Klare Kennzeichnungen: Leiten Sie Ihre Gedanken mit einem Kürzel wie „E.K.:“ (Eigener Kommentar) oder „Frage:“ ein.
- Räumliche Trennung: Nutzen Sie eine separate Spalte oder einen deutlich abgesetzten Absatz für Ihre Reflexionen. Das schafft eine klare visuelle Grenze.
Wenn Sie diese drei Fehler kennen und die Gegenstrategien konsequent anwenden, legen Sie von Anfang an den Grundstein für eine saubere und professionelle Arbeitsweise. So wird Ihr Exzerpt zu dem, was es sein soll: ein mächtiges Werkzeug und keine Quelle für zukünftigen Stress.
Häufig gestellte Fragen zum Schreiben von Exzerpten
Gerade wenn man anfängt, sich mit dem Exzerpieren zu beschäftigen, tauchen oft die gleichen Fragen und Unsicherheiten auf. In diesem Abschnitt finden Sie schnelle und praxisnahe Antworten auf die typischen Stolpersteine, damit Sie von Anfang an mit einem guten Gefühl loslegen können.
Die wohl brennendste Frage ist immer die nach der richtigen Länge. Eine feste Regel gibt es hier nicht, aber eine gute Faustregel.
Ein Exzerpt sollte immer so lang wie nötig, aber so kurz wie möglich sein. Es geht nicht um die Wortzahl, sondern darum, dass alle für Ihre Forschungsfrage wichtigen Informationen drinstecken. Als grobe Orientierung hat sich ein Umfang von nicht mehr als 10–20 % des Originaltextes bewährt.
So zwingen Sie sich selbst, wirklich nur das Wesentliche herauszufiltern, anstatt den Text nur anders zu formulieren.
Muss ich immer in ganzen Sätzen schreiben?
Klare Antwort: Nein, müssen Sie nicht. Stichpunkte, Schlüsselbegriffe oder kurze Halbsätze sind absolut in Ordnung, solange der Inhalt für Sie verständlich bleibt.
Wichtig ist nur, dass die Argumentationsstruktur des Autors und die Kernaussagen klar erkennbar sind. Ihre eigenen Gedanken und kritischen Anmerkungen sollten Sie dagegen immer ausformulieren – nur so halten Sie Ihre Überlegungen präzise fest und können später noch nachvollziehen, was Sie sich dabei gedacht haben.
Übrigens: Auch wenn ein Exzerpt kein veröffentlichter Text ist, helfen allgemeine Schreibtechniken dabei, Gedanken klar zu strukturieren. Techniken, wie man zum Beispiel lernt, einen Blog-Beitrag schreiben, können auch die Fähigkeit schärfen, komplexe Ideen auf den Punkt zu bringen.
Was ist der Unterschied zu einem Abstract?
Diese beiden Begriffe werden oft verwechselt, beschreiben aber zwei völlig unterschiedliche Dinge.
Ein Abstract ist eine extrem knappe, neutrale Zusammenfassung eines wissenschaftlichen Textes. Meist wird er vom Autor selbst verfasst und steht direkt am Anfang des Artikels, um einen schnellen Überblick zu geben.
Ein Exzerpt ist dagegen Ihre ganz persönliche Auseinandersetzung mit dem Text, zugeschnitten auf Ihre eigene Fragestellung. Es ist subjektiv, enthält direkte Zitate, die für Sie wichtig sind, und vor allem Ihre eigenen Kommentare und kritischen Einordnungen.
Kann ein Exzerpt ein Plagiat sein?
Ein Exzerpt an sich ist erst einmal nur Ihr persönliches Arbeitsmittel und für Ihre Augen bestimmt. Die Gefahr eines Plagiats lauert woanders.
Sie entsteht erst dann, wenn Sie später Gedanken, Formulierungen oder Zitate aus Ihrem Exzerpt in Ihre eigene wissenschaftliche Arbeit übernehmen, ohne die Quelle sauber zu zitieren. Genau deshalb ist die penible Trennung von fremden Ideen, direkten Zitaten und Ihren eigenen Gedanken im Exzerpt so unglaublich wichtig – sie ist Ihre beste Versicherung gegen unbeabsichtigtes Plagiat.